Klima der Böhmischen Masse:

"Neun Monate Winter, drei Monate kalt", so kennzeichnet eine Waldviertler Volksregel das Klima des Waldviertels. Das ist natürlich übertrieben. Tatsache aber ist, daß das Waldviertel der Kältepol Österreichs ist. Am 11. Februar 1929 wurde im Stift Zwettl, wo sich die meteorologische Station befindet, eine Temperatur von -36,6° C gemessen. Die Bildung derart extremer Kälte ist keineswegs ein Effekt der Höhe. Zwettl liegt nur 511 m hoch. Es ist die Muldenlage, die zur Entwicklung derart tiefer Temperaturen führt. Die durch die nächtliche Wärmeausstrahlung am Boden erkaltende Luft fließt wegen ihrer größeren Schwere an den Abhängen abwärts und sammelt sich in allen Vertiefungen, in Mulden und auf den Talsohlen. Die Besiedler des Waldviertels suchten in den Mulden Schutz vor dem scharfen "böhmischen Wind" aus Norden und mußten dafür die im Winter oft extrem tief temperierte Talluft in Kauf nehmen. Der "Zwettler Kessel" ist das typische Beispiel dafür. Im Mühlviertel ist der Frost in strengen Wintern im Vergleich zum Waldviertel milder.

Die Winter des Waldviertels und des Mühlviertels werden durch die Winde verschärft, die verhältnismäßig ungehindert über der Hochebene wehen und weithin Schneeverwehungen verursachen. Der heftige "böhmische Wind" aus West bis Nord hält tagelang an und erschwert die Räumung beträchtlich. Das mittlere Temperaturmaximum wird im Waldviertel und im Mühlviertel während des Juli erreicht, es beträgt für beide Gebiete 29° C. Der wärmste Teil des Waldviertels ist das Horner Becken, das auch zu den trockensten Gebieten Österreichs gehört. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge beträgt für Horn 556 mm. Zum Vergleich damit die Normalwerte für Wien, Hohe Warte: 683 mm.

Das Trockengebiet liegt in der Nordostecke des Waldviertels, im Raum Wappoltenreith-Horn. Ein zweiter Trockenstreifen liegt im Windschatten des Böhmer- und Weinsbergerwaldes, er erstreckt sich von Wurmbrand bis Grafenschlag und setzt sich über Ottenschlag hinaus fort. Zwischen diesen Trockengebieten verläuft eine niederschlagsreichere Zone, zu der die Orte Großschönau, Zwettl, Krumau, Schiltinger Amt und Mühlbach gehören.

Allgemein führt der Anstieg vom Donautal in das Granit- und Gneisplateau mit dem Mühl- und Waldviertel in eine herbe Landschaft. Die Durchschnittstemperatur des wärmsten und kältesten Monats sind um etwa 1,5° bis 2° tiefer als im Alpenvorland. Die Niederschlagsmengen des Jahres sind im Nordwesten, dem Böhmerwald zu größer (1000 mm), im Osten, wo sich schon die Nähe des Karpatenvorlandes ankündigt, aber geringer (700 mm).

Das Granit- und Gneisplateau kann man auch noch zum Mitteleuropäischen Übergangsklima zählen, jedoch ist es schon ein rauheres Hochflächenklima. Der Einfluß Westeuropas wird im mitteleuropäischen Übergangsklima deutlich. Höhere Niederschläge als in Ostösterreich und nicht so hohe Sommertemperaturen sind Hauptmerkmale.

Beim Hochlandklima im Mühl- und Waldviertel sind deutliche West-Ost-Unterschiede und der Einfluß der Seehöhe bemerkbar. So hat das Mühlviertel insgesamt höhere Niederschläge als das Waldviertel. Der Ostrand des Waldviertels weist nur mehr Niederschlagshöhen auf, die dem pannonischen Klima entsprechen. Also in Gebieten mit größerer Seehöhe finden wir nicht nur geringere Temperaturen, sondern auch höhere Niederschlagswerte.

Die höchsten Niederschläge des Waldviertels verzeichnen die Grenzgebiete gegen Oberösterreich und Tschechien, wo sich auch seine höchsten Erhebungen befinden. Hier fallen durchschnittlich 800 bis 900 mm Niederschläge pro Jahr. Das Mühlviertel kann mit bedeutend größeren Niederschlagsmenge aufwarten als das Waldviertel. Sein relativ niederschlagsärmstes Gebiet ist im Bereich des Aist-Flusses.